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GlossarDefinition

Was ist CVSS (Common Vulnerability Scoring System)?

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Kurz erklärt: CVSS (Common Vulnerability Scoring System) ist der internationale Standard zur Bewertung der Schwere von Sicherheitslücken. Es liefert pro CVE einen numerischen Score von 0,0 bis 10,0 — basierend auf Angriffsvektor, Komplexität, benötigten Privilegien und Auswirkungen auf Vertraulichkeit, Integrität und Verfügbarkeit. CVSS wird vom Forum of Incident Response and Security Teams (FIRST) gepflegt; aktuelle Version ist CVSS 4.0 (November 2023), in der Praxis ist CVSS 3.1 noch dominierend. Der Score ist Standard-Eingangsgröße für Patch-Priorisierung in Schwachstellen-Management-Programmen.

Das Common Vulnerability Scoring System (CVSS) ist der internationale Standard zur Bewertung der Schwere von Sicherheitslücken. Es liefert pro Schwachstelle einen numerischen Score zwischen 0,0 und 10,0 und ist die universelle Eingangsgröße für jedes professionelle Schwachstellen-Management-Programm.

Foundational Facts

  • Herausgeber: Forum of Incident Response and Security Teams (FIRST)
  • Aktuelle Version: CVSS 4.0 (November 2023)
  • In der Praxis dominierend: CVSS 3.1 (NVD, MITRE führen meist beide Scores)
  • Score-Bereich: 0,0 (None) bis 10,0 (Critical)
  • Status: offen, kostenlos, weltweit anerkannter Standard

Score-Stufen

Der CVSS-Base-Score wird in fünf qualitative Stufen unterteilt:

StufeScore-BereichBedeutung
None0,0keine Sicherheitswirkung
Low0,1 – 3,9geringe Schwere, oft theoretisch oder schwer ausnutzbar
Medium4,0 – 6,9moderate Schwere, Patch im normalen Patch-Zyklus
High7,0 – 8,9hohe Schwere, beschleunigtes Patching erforderlich
Critical9,0 – 10,0kritische Schwere, sofortiges Handeln

Die drei Metrikgruppen

CVSS strukturiert die Bewertung in drei Metrikgruppen:

Base Metrics

Die intrinsischen Eigenschaften der Schwachstelle, die sich nicht über die Zeit oder durch Umgebung ändern:

  • Attack Vector (AV): Network, Adjacent Network, Local, Physical
  • Attack Complexity (AC): Low, High
  • Privileges Required (PR): None, Low, High
  • User Interaction (UI): None, Required
  • Scope (S): Unchanged, Changed (gibt die Schwachstelle Zugriff über ihren ursprünglichen Sicherheits-Scope hinaus?)
  • Confidentiality Impact (C): None, Low, High
  • Integrity Impact (I): None, Low, High
  • Availability Impact (A): None, Low, High

Aus diesen acht Metriken errechnet sich der Base Score — die Zahl, die in den meisten CVE-Datenbanken (NVD, MITRE) angegeben wird.

Temporal Metrics

Zeit-veränderliche Eigenschaften:

  • Exploit Code Maturity (E): ist Exploit-Code verfügbar?
  • Remediation Level (RL): gibt es einen offiziellen Patch?
  • Report Confidence (RC): wie verlässlich ist die Information über die Schwachstelle?

Environmental Metrics

Umgebungs-spezifische Anpassungen — wie wirkt sich die Schwachstelle auf die konkrete Umgebung des Unternehmens aus? Hier können Asset-Kritikalitäts-Faktoren (Confidentiality Requirement, Integrity Requirement, Availability Requirement) berücksichtigt und Base Metrics nachjustiert werden.

In der Praxis wird oft nur der Base Score berichtet — die Temporal- und Environmental-Metriken bleiben dem konkreten Risikomanagement-Prozess vorbehalten.

CVSS 4.0 — die wichtigsten Änderungen gegenüber 3.1

CVSS 4.0 wurde im November 2023 veröffentlicht und überarbeitet das Modell substanziell:

  • Klare Trennung der vier Metrikblöcke: Base, Threat, Environmental, Supplemental
  • Neue Metrik Attack Requirements (AT) — ergänzt Attack Complexity um Vorbedingungen, die nicht der Angreifer schaffen kann
  • Subsequent System Impact — explizite Bewertung von Lateral-Movement-Effekten
  • Feinere Granularität in der Score-Berechnung
  • Supplemental Metrics — informative Zusatzfelder wie Safety, Automatable, Recovery, Value Density

In der Praxis ist die Adoption langsam — NVD, MITRE und die meisten Hersteller-Berater geben weiterhin parallel den CVSS-3.1-Score an. Tools wie Vulnerability Scanner unterstützen meist beide Versionen.

CVSS in der Patch-Priorisierung

Der CVSS-Score ist nur ein Eingangswert in eine fundierte Patch-Priorisierung. Moderne Schwachstellen-Management-Programme kombinieren CVSS mit zusätzlichen Signalen:

SignalLiefertQuelle
CVSS Base Scoretheoretische SchwereNVD, MITRE
EPSSWahrscheinlichkeit der Ausnutzung (0–1)FIRST.org / EPSS
CISA KEVaktiv ausgenutzte SchwachstellenCISA
Asset-KritikalitätBedeutung der betroffenen Komponenteinternes CMDB / Asset-Register
Kompensierende KontrollenVerbleibendes Risiko nach Mitigationinternes Sicherheits-Architektur-Wissen

Eine isolierte „CVSS ≥ 7 patchen”-Policy ist nicht sinnvoll — sie produziert viel Lärm und priorisiert oft falsch. Die Kombination CVSS + EPSS + KEV + Asset-Kritikalität liefert eine deutlich bessere Risiko-orientierte Priorisierung.

Bedeutung im Compliance-Kontext

CVSS spielt in mehreren Compliance-Frameworks eine zentrale Rolle:

  • NIS2 / ISO 27001: Schwachstellen-Management-Anforderungen verlangen eine strukturierte Priorisierung — CVSS ist der etablierte Anker
  • DORA: das TLPT-Programm bewertet Findings entlang CVSS-Schweregraden
  • BSI IT-Grundschutz: Bausteine zur Schwachstellen-Behandlung beziehen sich auf CVSS
  • KRITIS: Systeme zur Angriffserkennung müssen CVSS-Scoring berücksichtigen

Häufige Fragen

Was sagt der CVSS-Score genau aus?
Der CVSS-Score ist eine numerische Bewertung von 0,0 bis 10,0, die die intrinsische Schwere einer Sicherheitslücke beschreibt. Er teilt sich in vier Schweregradstufen — None (0,0), Low (0,1–3,9), Medium (4,0–6,9), High (7,0–8,9), Critical (9,0–10,0). Der Score sagt nur etwas über die theoretische Schwere aus, nicht über die tatsächliche Bedrohung für ein konkretes Unternehmen — dafür braucht es ergänzende Metriken wie das EPSS (Wahrscheinlichkeit der Ausnutzung) oder die individuelle Asset-Kritikalität.
Was sind die Komponenten des CVSS-Scores?
CVSS unterscheidet drei Metrikgruppen. Base Metrics beschreiben die unveränderlichen Eigenschaften der Schwachstelle — Angriffsvektor (Network, Adjacent, Local, Physical), Angriffskomplexität, benötigte Privilegien, User Interaction, Scope sowie Auswirkungen auf Confidentiality, Integrity und Availability. Temporal Metrics berücksichtigen Zeit-Faktoren wie Exploit-Verfügbarkeit. Environmental Metrics passen den Score an die konkrete Umgebung an. In den meisten öffentlichen CVE-Datenbanken wird nur der Base Score angegeben.
Was ist neu in CVSS 4.0 gegenüber CVSS 3.1?
CVSS 4.0 (November 2023) überarbeitet die Metrik-Struktur substanziell. Die Trennung zwischen Base, Threat und Environmental Metrics wird klarer, neue Metriken adressieren moderne Angriffsmuster — z. B. Attack Requirements als Ergänzung zur Angriffskomplexität sowie Subsequent System Impact zur besseren Bewertung von Lateral-Movement-Risiken. Die Score-Berechnung wurde feinkörniger; in der Praxis wird CVSS 3.1 jedoch noch von den meisten Datenbanken (NVD, MITRE) als Hauptscore geführt.
Warum reicht der CVSS-Score allein nicht für Patch-Priorisierung?
Der CVSS-Score beschreibt nur die theoretische Schwere einer Schwachstelle, nicht die tatsächliche Bedrohung. Eine Kritikalität-Bewertung muss zusätzlich berücksichtigen — ob die Schwachstelle aktiv ausgenutzt wird (KEV-Liste der CISA), wie hoch die Ausnutzungswahrscheinlichkeit ist (EPSS-Score), wie kritisch das betroffene Asset für das Unternehmen ist und ob kompensierende Kontrollen wirksam sind. Moderne Schwachstellen-Management-Programme kombinieren CVSS mit EPSS und Asset-Kritikalität zu einer Risiko-orientierten Priorisierung.
Wer pflegt den CVSS-Standard?
CVSS wird vom Forum of Incident Response and Security Teams (FIRST), einer internationalen Vereinigung von CERTs und Sicherheits-Teams, gepflegt. FIRST veröffentlicht die Spezifikation öffentlich und kostenlos. Aktuelle Version ist CVSS 4.0 (November 2023). Die offizielle Spezifikation, ein interaktiver Score-Rechner und Mapping-Tools sind auf first.org/cvss/ verfügbar.
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